Beim Bermuda-Talk plaudert VfL-Ikone von früher und heute

Neulich, „auffe Geschäftsstelle“, war der Routinier mal wieder als Retter gefragt. „Sag’ mal, Ata“, frotzelten die Kollegen, „kannste nicht nochmal auflaufen, wie früher für die Jungs kämpfen, unseren Blau-Weißen helfen?“ Ata überlegte kurz. Seine Antwort: „Vergesst es! In der 2. Liga spiel’ ich nich’.“

Anekdoten wie diese sind es, die den „Bermuda-Talk“ zum höchst unterhaltsamen Heimatabend machen. Vor zwei Jahren hatten Marketingexperte und Musiker Oliver Bartkowski und Journalist Lars Kiesewetter (der inzwischen vom VfL-Stadionsprecher Michael Wurst abgelöst wurde) das Experiment gewagt. Bei einer Talkrunde im Mandragora sollen bei freiem Eintritt alle zwei, drei Monate Promis und andere prägnante Bochumer Köpfe präsentiert werden. Der Auftakt mit Schauspieler Ralle Richter und dem damaligen OB-Kandidaten Wolfgang „Wölfi“ Wendland geriet zum Erfolg – ebenso wie die nachfolgenden Abende u.a. mit Axel Rudi Pell, Hans-Werner Olm, Ben Redelings, Arne Nobel, Carina Gödecke und Thomas Eiskirch.

Rudi Cerne outet sich als Schalke-Fan

Am Dienstagabend öffnete sich die Wundertüte zum elften Mal. Stargast im proppenvollen Mandra war Rudi Cerne. Der ehemalige Weltklasse-Eiskunstläufer und langjährige ZDF-Moderator (Sport-Reportage, Aktenzeichen XY ungelöst) ist zwar kein Bochumer Junge, kennt sich als gebürtiger Wanne-Eickeler aber bestens in unserer Stadt, besonders im Bermuda-Dreieck, aus. So wurde ihm verziehen, dass sich der 58-Jährige als Fan des FC Schalke 04 outete.

Der wahre Star des Abends jedoch war „Michael „Ata“ Lameck (67). Das VfL-Urgestein, mit 518 Bundesliga-Einsätzen auf Platz 9 der ewigen Liga-Bestenliste (Platz 1 hält Charly Körbel mit 602 Spielen), plauderte gewohnt authentisch und liebenswert aus dem Nähkästchen.

Ata, wie er leibt und lebt: Die 5 Top-Sprüche

1 . Wie sich der Fußball verändert hat: „Die Schiris ziehen heute viel schneller Karten. Zu meiner Zeit wäre der Berti Vogts dreimal pro Spiel vom Platz geflogen.“

2 . Zur Disziplin von Fußballprofis: „Damals ging’s noch nicht so streng zu. Hans Walitza (VfL-Torjäger in den 70er Jahren, die Red.) war der einzige Spieler, der in der Kabine rauchen durfte.“

3 . Sein gefürchtetster Gegenspieler: „Der Uli Hoeneß. Der war ein Topstürmer.“ Wen er als Verteidiger in die Tasche gesteckt habe? „Rüdiger Abramczik. Da mussteste echt keine Angst vor haben.“

4 . Zum VfL in der Saison 2016/17: „Wir haben vier Offensive abgegeben, alles gute Leute. Das können wir in dieser Saison nicht auffangen. Wir müssen sehen, dass wir jetzt über die Runden kommen.“

5 . Zu seinem besten Freund, Bayern-Co-Trainer Hermann Gerland: „Für den Tiger bin ich hier in Bochum ein Stück Heimat. Wir telefonieren jeden Tag, meistens abends. Danach gehen wir im Bett. Feierabend.“

>> Vater des Ober-Beatle war Zeugwart beim VfL

  • Feierabend ist für den Bermuda-Talk noch lange nicht. Es wäre auch schade um die Überraschungen, die sich um das Format in der stets gut gefüllten Bermuda-Kneipe Mandragora ranken.
  • So wie am Dienstagabend: Dritter Talk-Gast war Norbert Fiedler, Gründer des rührigen Bochumer Fanclubs „RuhrGeBeatles“.
  • Was selbst VfL-Urgestein Ata Lameck erstaunte: Der Vater von Norbert Fiedler war lange Jahre Zeugwart beim VfL. Der Beatles-Fan brachte ein Fotoalbum mit alten Bildern aus der aktiven Zeit seines Vaters mit.

Text: Jürgen Stahl: https://www.waz.de/staedte/bochum/beim-bermuda-talk-plaudert-vfl-ikone-von-frueher-und-heute-id209318885.html