Ruhrgebeatles gründen Band aus dem Stammtisch

Die Idee entstand während einer Reise auf den Spuren der legendären Pilzköpfe in Liverpool. Geprobt wird in einem Keller in Stiepel.

„Norwegian Woods“ von den Beatles klingt aus dem Keller der Fiedlers bis hoch in die Küche. Gespielt wird das Stück von Hannes Fändrich, Jochen Schneider, Engelbert Peternelly und Glenn Fiedler an der Gitarre. Sie nennen sich die „Ruhrgebeatles on Guitar“ und haben aus dem Stammtisch Ruhrgebeatles heraus die Band vor circa einem Jahr gegründet.

Im August am Mersey River

„Die Idee zu einer Band kam mir in Liverpool an einem wunderschönen Augusttag“, erklärt Norbert Fiedler. Er ist zwar nicht Teil der Band, dafür aber sein Sohn Glenn. „Ich saß am Mersey River und hörte just in dem Moment ,Ferry cross the Mersey’ von Gerry and The Pacemakers. Danach wollte ich unbedingt eine Band gründen“, erzählt Norbert Fiedler weiter.

Er und Jochen Schneider waren zu der Zeit in Liverpool auf der Beatles Week. In dieser Woche werden Konzerte an einer Adresse in der Stadt gegeben, wo sich John Lennon und Paul McCartney zum ersten Mal trafen. „Jeder Beatles-Fan muss mal dort gewesen sein“, erzählt Jochen Schneider. „Ich war insgesamt schon sechs Mal auf der Beatles-Week.“

Stammtisch trifft sich in der „Ritterburg“

Die vier Bandmitglieder waren vorher schon Teil des Stammtisches „Ruhrgebeatles“. Alle zwei Monate trifft sich dieser Stammtisch in der „Ritterburg“ an der Castroper Straße in Grumme. „Wir sitzen aber nicht nur zusammen beim Bier und quatschen, wie man sich so einen Stammtisch vorstellt“, erzählt Norbert Fiedler. Es wird ein Beatles-Quiz veranstaltet. Reden werden gehalten, und alle vier Monate treten die „Ruhrgebeatles on Guitar“ auf.

Norbert Fiedler schrieb eine E-Mail an alle Mitglieder und so fanden sich die vier Musiker für die Band. „Wir versuchen, einmal pro Woche zu proben, besonders vor Auftritten“, erzählt Glenn. Die Band hatte schon vier Auftritte, einen davon im Kunstmuseum Bochum. Der nächste Auftritt folgt am 14. Dezember. An diesem Tag ist der Weihnachtsstammtisch und die Band spielt extra für die Stammtischmitglieder deren 15 Lieblingslieder der Beatles Zuvor wurden 50 Songs vorgeschlagen und alle Stammtisch-Mitglieder konnten abstimmen.

Wunschkonzert geplant

„Wir möchten ein Wunschkonzert für alle veranstalten. Wir sind ja durch unseren Stammtisch entstanden“, betont Glenn Fiedler. Die Mitglieder spielen alle Gitarre, Hannes, Jochen und Engelbert singen. Die Band beherrscht 80 Lieder der Beatles, 50 davon sind bühnenreif. Momentan wird im Keller der Fiedlers in Stiepel geprobt. Den Keller nennen sie liebevoll „Cavern Club“, da die Beatles in diesem Club in Liverpool 292 Mal aufgetreten sind.

In seinem Keller hat Norbert Fiedler ein eigenes kleines Museum mit 5000 Beatles-Artikeln aufgebaut. Doch der Raum ist zum Proben zu klein. „Momentan geht es noch, aber mit der ganzen Technik ist hier zu wenig Platz. Deshalb suchen wir einen Proberaum in Bochum“, erzählt Norbert Fiedler. „Der Vermieter würde bestimmt ein Konzert umsonst besuchen können“, lacht er.

Jana Freund: https://www.waz.de/staedte/bochum/ruhrgebeatles-gruenden-band-aus-dem-stammtisch-id212576175.html 

 

Das Beste der Musik steht nicht auf dem Notenblatt

Als wir im Mai 2015 unseren Beatles-Stammtisch starteten, konnte niemand ahnen, was daraus einmal werden würde. Klar, wir unterhalten uns gerne über „unsere musikalisch aufregende Zeit“ und wir hören auch heute noch liebend gerne die Musik aus den 60er Jahren, wir unternehmen aber auch viel zusammen, besuchen z.B. kulturelle Ereignisse, reisen gerne usw. Wer konnte voraussehen, dass sogar Freundschaften durch die Musik entstehen und dass Menschen, die sich noch nie zuvor gesehen hatten, miteinander umgehen, als würden sie sich schon ganz lange  kennen. Die Musik hat uns, die Mitglieder des Beatles Stammtisches Bochum, also zusammengeführt oder wieder zusammengeführt? Da trifft man einen alten Schulkameraden, den man seit mehr als 50 Jahren aus den Augen verloren hat, da spricht man mit Bochumern und weiß hinterher, dass wir uns garantiert in der Zeit 1960 – 1970 (oder wann auch immer) schon in den Discotheken begegnet sein müssen. Ein wenig haben wir uns sicherlich verändert, aber die Lokale, die es ja damals doch sehr überschaubar gab, sind immer noch in Gedanken da, egal ob Fifty Fifty, E1, Palette, Kessy oder der Star Club auf der Hattinger Straße! „Klar, da war ich doch auch.“ „Weißt Du noch, damals Tony Sheridan live im Star Club Bochum?“ „Ach, in der Palette habe ich meine erste Freundin kennengelernt.“ „Dich habe ich doch auch schon gesehen. War das nicht bei Bobby Linden in der Tanzschule?“ Und so ist in gut 2 Jahren etwas zusammengewachsen, was man auch in vielen Fällen als eine Gemeinschaft mit einer gewissen Verbundenheit zum Nächsten bezeichnen kann. Es ist einfach ein soziales Gefüge entstanden. Da ist der Eine für den Anderen da und das nicht nur, wenn es um Ergänzungen von einzelnen persönlichen Beatles-Sammlungen geht. Nein, da gibt es mittlerweile auch den Krankenbesuch und das Telefonat, um einfach seine Hilfe anzubieten oder man steht Mitgliedern in kritischen Lebenssituationen helfend zur Seite. Und das alles haben wir den Beatles zu verdanken? Wenn man so will, ja, dann ist es so! Als unsere Eltern damals von einer vorübergehenden Erscheinung sprachen, haben wir es vielleicht sogar geglaubt. Heute wissen wir es besser.

Musik verbindet!

Sie verbindet fast 70 Mitglieder unserer Gemeinschaft und sie verbindet Generationen, denn auch junge Menschen kommen gerne zu unserem Stammtisch. Sie lässt aber auch Erinnerungen leben und gibt uns Freude und Frohsinn und dieses folgende Zitat aus dem Jahr 1937 gilt sicherlich in einer besonderen Weise für die Beatles, unseren musikalischen Idolen, die für uns wirklich einmalig waren.

„Popgruppen setzen auf Einmaligkeit – und kommen immer wieder.“